
Das
englischsprachige White Horse
Theatre zu Gast an der
Karl-Marx-Sekundarschule
Englischsprachiges Theater
erlebten gestern die Schüler
der Karl-Marx-Sekundarschule.
In zwei verschiedenen
Aufführungen zeigten die
Schauspieler des White Horse
Theatres für die jüngeren
Schüler eine Art Märchen,
die älteren konfrontierten
die Schauspieler mit härterer
Kost : Da ging es um
Magersucht.
Gardelegen. Einmal im Jahr
sind die Schauspieler des
englischen White Horse
Theatres zu Gast in der
Karl-Marx-Sekundarschule. Die
Schüler sollen Englisch von
Muttersprachlern hören,
sollen erfahren, dass sie
vielleicht nicht alles
wörtlich verstehen, einer
Unterhaltung oder Handlung
aber durchaus folgen können.
"
Food for Thought " heißt
das Stück, das Theatergründer
und -leiter Peter Griffith
geschrieben hat. Es geht um
Magersucht – und vor allem
die Mädchen im Publikum hörten
und sahen aufmerksam zu, während
sich vor allem einige Jungs
als notorische Quassler betätigten.
Die 15-jährige Schülerin
Samantha ( Sheryll Turner ),
kurz Sam genannt, ein
schlankes Mädchen, findet
sich zu dick. Eine innere
Stimme ( Ben Hadley ) arbeitet
in ihr, sagt : " Ich kann
dich so schön machen wie die
Mädchen in den Magazinen.
" Ihren Eltern sagt Sam,
sie wolle eine Diät machen.
Die wollen ihr das ausreden :
" Wir lieben dich, so wie
du bist. "
Eindringlich spielen die vier
Schauspieler, wie Sam immer
mehr in die Abhängigkeit der
Magersucht gerät, wie sie
ihrem Freund, wie sie ihren
Eltern, ja sich selbst fremd
wird, wie die innere Stimme
der Sucht immer mehr ihren
Lebensmittelpunkt bildet.
Sie findet Ausreden, nichts zu
essen, selbst als ihr Freund
Duncan ( James Harvis ) von
ihren Eltern zum Essen
eingeladen wird : " Ich
bin nicht hungrig, stellt
meine Portion in den Kühlschrank.
" Sam quält sich und
ihren Körper mit Fitnessübungen.
" Ich mache mich besser für
Dich, besser für mich, ich
mache das, damit ich attraktiv
werde ", erklärt sie
ihrem Freund, der ihr beteuert
: " Ich liebe dich so,
wie du bist. " Doch sie fährt
ihn an : " Du willst mich
aufblasen wie einen Ballon.
"
Ihrer Mutter Betty ( Hannah
Burges ) sagt sie, sie habe
Bauchschmerzen, und die Mutter
überspielt in Duncans
Gegenwart das Problem mit
Gekicher – darüber spricht
man nicht. Erst als der Freund
weg ist, fragt die Mutter den
Vater ( ebenfalls gespielt von
Ben Hadley ) : " Was ist
mit Samantha ?"
Unterdessen gerät das Mädchen
mehr und mehr in die
Magersucht. Sie trainiert wie
eine Besessene, doch die
innere Stimme fordert : "
Mehr, mehr, die nächste Übung
!" Als Sam
zusammenbricht, erklärt sie
ihrer Mutter : " Ich bin
fi t. Ich will nur ein
bisschen Gewicht verlieren.
" " Vielleicht
", erzählt sie ihrer
Mutter, " werde ich ja
Model ".
Die Mutter will handeln
(" Du machst dich krank
") und zwingt ihre
Tochter, ein Glas Milch zu
trinken. " Das ist der
Anfang ", sagt sie
zufrieden, während ihre
Tochter die Milch runterwürgt.
Als die Mutter draußen ist,
sagt die innere Stimme :
" Schreckliche, fette
Milch. Spuck sie aus ! Tu es
!" Erst weigert sich Sam,
doch dann erbricht sie die
Milch.
Zeitsprung. Zwei Monate sind
vergangen. Sam trifft Duncan
wieder. Dass sie in dieser
Zeit in der Klinik war,
verheimlicht sie ihm : "
Ich musste jemanden besuchen.
" " Du hast einen
anderen ", argwöhnt
Duncan, der Samantha immer
noch liebt. Sie klärt nichts
auf, sondern bügelt Duncan brüsk
ab : " Ich habe keine
Zeit für eine Beziehung
" – und die innere
Stimme applaudiert : "
Gut gemacht. "
Selbstzweifel plagen das Mädchen
: " Ich gebe alles für
dich auf ", klagt sie die
eigene Sucht an – und die
antwortet : " Wir sind
noch nicht fertig. " Doch
Sam versucht den Ausbruch.
Streng nach Plan isst sie nun,
zählt die Kalorien – und
will so doch nicht leben.
Gespenstisch die Szene, als
ihre Mutter ihr ein Stück
Apfel gibt und nachschaut, ob
Samantha es runtergeschluckt
hat. Hat sie nicht, sie hat es
in ein Taschentuch gespuckt.
Die Sucht ist stärker als die
Liebe zur Mutter und zum Vater
: " Essen all zwei
Stunden, das kann ich nicht
mehr aushalten. Warum kannst
du mich nicht lieben wie ein
Mutter ?", schreit
Samantha : " Alle sind
gegen mich, alle wollen mich
fett machen, damit alle sehen,
was für eine gute Mutter du
bist. " Dass der Vater
hilflos versucht, der Tochter
zu erklären, welche Angst die
Eltern haben, " dass du
dich zu Tode hungerst ",
kommt bei Samantha nicht mehr
an : " Ich hasse Euch
beide. "
Später schluchzt das Mädchen
: " Ich habe alles
verloren " – und die
innere Stimme tröstet :
" Ich bin dein einziger
Freund. " Die Sucht lässt
nicht locker : " Du magst
es, gut auszusehen ", flüstert
sie, " dünn zu sein,
bedeutet, im Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit zu stehen
".
Doch Samantha versucht erneut,
die Sucht zu besiegen : Es ist
18 Uhr, Zeit, entsprechend des
Essenplans was zu essen. Doch
die Sucht ruft : " Es
macht dich fett, du wirst hässlich.
Mach Übungen !" Doch
Samantha ist stärker : "
Nein, ich muss mich hinlegen.
" Aber die Sucht droht :
" Ich bin immer noch da.
"
Duncan kommt zu Besuch, will
Samantha besuchen. Die Eltern
verschweigen wieder die Sucht
der Tochter : " Sie war
sehr beschäftigt. " Beim
Spaziergang kauft Duncan
Samantha ein Mars : "
Iss, ein Mars macht doch
nichts. " Doch Samantha
mag nicht : " Warum soll
ich essen ?"
Das Ende bleibt offen. Die
Sucht ist noch da, die Eltern,
der Freund, ein magersüchtiges
Mädchen – und immer noch
viel Unsicherheit, damit
umzugehen. Und auch wenn die
Schüler im Publikum nicht
alles verstanden haben –
einigen Mädchen schien vieles
recht vertraut vorgekommen zu
sein.


