Schäfermeister
bittet: Hunde in der Nähe von Herden
anleinen
Die Beinahe-Katastrophe im ICE-Tunnel
bei Fulda in Hessen hat auch Gardelegens
Schäfermeister Joachim Gaudian beschäftigt.
Denn auch er hat rund um Gardelegen
mehrere Schafherden auf den Wiesen
stehen - einige in Sichtweite der
Hochgeschwindigkeitsstrecke.
In den vergangenen Jahren, so gibt Joachim Gaudian zu, "habe ich schon mal Albträume gehabt." Böse Träume davon, was passieren würde, wenn einige seiner Schafe in Panik geraten und auf Straßen oder gar die ICE-Strecke laufen würden. So, wie kürzlich bei Fulda passiert, als eine Schafherde ganz gegen die eigene Natur in einen ICE-Tunnel lief und dort von einem Hochgeschwindigkeitszug erfasst wurde. Der Zug entgleiste, mehrere Insassen wurden verletzt, etliche der Tiere getötet.
So etwas kann theoretisch auch in der Altmark passieren. Denn die Schafherden von Gaudian grasen rund um Gardelegen auf Weiden, die teilweise in Sichtweite der Eisenbahnstrecke liegen. Normalerweise kann es nicht zur Kollision mit Zügen kommen. Aber: "Wenn die Herde aufgescheucht wird und in Panik gerät, dann könnte sie unkontrollierbar werden." Wie bei Fulda, wo die Herde, offenbar von einem Hund verfolgt, sogar kollektiv durch einen Bach lief. Schafe meiden sonst Wasser.
Auch Gaudian kennt solche - wenn auch glimpflichere - Szenarien. Dann nämlich, wenn frei herumlaufende Hunde Schafherden attackieren. Dann werden entweder Tiere gerissen oder die Herde gerät in Panik und büxt aus. Der Gardelegener Schäfermeister hat hin und wieder schon Tiere auf diese Weise verloren, oder Zäune sind beschädigt worden. Oder er musste die Herde suchen, weil die Tiere in Panik geflüchtet waren. Das Besondere daran: "Schafe bleiben eigentlich immer als Herde zusammen," weiß Gaudian. Und: Panik kann auch zeitlich verzögert auftreten, "manchmal erst eine Stunde nach der Hundeattacke."
Deshalb bittet Gaudian Hundebesitzer, ihre Tiere in der Nähe einer Schafherde immer angeleint zu lassen. Und sollte es tatsächlich mal zu einem Zwischenfall kommen, hofft er auf einen sofortigen Anruf. "Es kann immer mal etwas passieren, deshalb reiße ich keinem den Kopf ab", sagt der Schäfermeister. "Aber wenn ich nicht sofort von Vorfällen erfahre, dann ist die Arbeit später umso größer."


