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Ganztagsschule "ist die Zukunft" (24.04.08)

Gardelegens Karl-Marx-Sekundarschulleiter Horst-Dieter Radtke stellte pädagogisches Konzept vor
Noch ist immer noch nicht offiziell klar, wie die Förderrichtlinie für den möglichen Neubau einer Sekundarschule in Gardelegen aussieht.

Horst-Dieter Radtke, Leiter der Karl-Marx-Sekundarschule, stellte im städtischen Sozialausschuss nun das von der Schule erarbeitete 20-seitige Konzept für eine offene Ganztagsschule vor. Und stieß am Dienstagabend auf breite Zustimmung. Er wundere sich, dass man in Gardelegen immer noch keine neue Schule gebaut hat. Ob man denn kein Geld für die Jugend übrig habe. Das schrieb der 84-jährige Richard Sonnenfeldt, in Gardelegen aufgewachsener möglicher Namensgeber einer neuen Sekundarschule in Gardelegen, vor wenigen Tagen dem Sozialausschuss-Mitglied Ulrich Damke. Sonnenfeldt, unter anderem Chef-Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen 1945, ist nicht der Einzige, der nicht versteht, warum es mit einem möglichen Neubau der Schule nicht vorangeht. Noch steht sogar die offizielle Veröffentlichung der Förderrichtlinie aus. Immerhin: Das Konzept, das zwingend eingereicht werden muss, um Geld vom Land und der EU für einen Schulneubau zu erhalten, ist fertig. Horst-Dieter Radtke, der Leiter der Karl-Marx-Sekundarschule in Gardelegen, stellte es am Dienstagabend erstmals öffentlich vor, im städtischen Sozialausschuss.

Drei Säulen soll es für die Sekundarschule geben. Zum einen soll das Konzept einer offenen Ganztagsschule fortgesetzt und intensiviert werden. Radtke räumte ein, dass es vor allem in diesem Schuljahr damit auch Probleme gegeben habe. Grund: "Bei uns sind 39 Lehrer beschäftigt - auf dem Papier." Die Unterrichtsversorgung, so Radtke, sei "unter hundert Prozent." Mit anderen Worten: Es fehlen Lehrkräfte. Zumal die meisten Lehrer längst ihren 50. Geburtstag gefeiert haben.

Das zweite Standbein soll "praxisorientierter Unterricht" sein. Ziel sei es, Kooperationsverträge mit Firmen abzuschließen, um die Sekundarschüler dort in Form von Praktika ans Berufsleben heranzuführen. Denn viele Karl-Marx-Sekundarschüler haben Probleme, später eine Ausbildung zu finden. Auch, weil sie oft nicht wissen, was auf sie zukommt, "Zu Beginn einer Abgangsklasse gibt es etwa 90 Prozent der Schüler, die keine Ahnung haben, was sie mal werden wollen", hat Radtke festgestellt. Bereits jetzt gebe es ein Projekt, wonach vor allem Hauptschüler einmal in der Woche in Betriebe hineinschnuppern.

Die dritte Säule des aktuellen Konzepts betrifft den Sport. Denn viele Schüler "bewegen sich zu wenig", sagte Radtke. Etliche seiner Sekundarschüler sitzen stundenlang vor der Glotze oder dem Computer, "manchmal bis nach Mitternacht. Und wir sehen dann, wie das am nächsten Morgen in der Schule aussieht." Ein weiterer Grund, Sport als eine der drei Konzeptsäulen zu verankern, ist die nahe gelegene Willi-Friedrichs-Sporthalle. Dieser Standort-Vorteil, so Radtke, müsse unbedingt genutzt werden. Dass der sportliche Bereich durchaus beliebt bei den Schülern ist, zeigen die Arbeitsgemeinschaften: Wo Sport angeboten wird, wollen viele der momentan 398 Karl-Marx-Sekundarschüler mitmachen.

"Ich hoffe, dass wir in vier, fünf Jahren eine neue Sekundarschule haben", so Radtke. Mit dem Konzept, das auf dem Papier sogar wichtiger als die Frage der Finanzierung ist, soll der erste Schritt gemacht werden. Dieses Konzept wird Ende April ans Kreis-Schulamt geschickt. Von dort gehen alle Unterlagen als Antrag an das Landes-Kultusministerium.

Für Radtke ist ohnehin klar: "Die Ganztagsschule ist unsere Zukunft." Angesichts von immer mehr Scheidungskindern und Nachwuchs, der nur noch von einem Elternteil großgezogen wird, werde es immer wichtiger, Schüler auch nach Unterrichtsende in der Einrichtung zu betreuen.


Quelle: www.altmark-zeitung.de |

Autor: Stefan Schmidt | Foto: © Stefan Schmidt

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