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"Radfahrer sind am schlimmsten" (06.05.2008)
Gestern fand der erste Tag der Blinden und Sehbehinderten in Gardelegen statt. Zum Programm gehörte ein Parcours, in dem Sehende ausprobieren konnten, wie man mit verbundenen Augen Hindernisse überwinden kann. Hier demonstrierte das Wilhelm Beckmann aus Gardelegen, assistiert von Andreas Krannich vom Stendaler Beratungszentrum. Foto: Cornelia Ahlfeld

Erster Tag der Blinden und Sehbehinderten gestern Vormittag auf dem Rathausplatz / Beckmann :
Gestern Vormittag fand auf dem Rathausplatz der erste Tag der Blinden und Sehbehinderten statt. Eingeladen zu diesem Aktionstag hatte die Gardeleger Selbsthilfegruppe für Blinde und Sehbehinderte. Mit Informationen und einem Parcours zum Ausprobieren wollten Betroffene sehende Mitmenschen für diese Krankheit sensibilisieren und auf ihre Probleme im Alltag im Straßenverkehr aufmerksam machen.

Gardelegen. Wilhelm Beckmann ist im Umgang mit Hindernissen aufgrund einer starken Sehbehinderung schon lange geübt. Und so meisterte er den Parcours auch ohne größere Schwierigkeiten. Für Sehende allerdings dürfte es schon recht kompliziert sein, mit verbundenen Augen und ausgestattet mit einem Stock – quasi als Blinder – eine Stufe hinunterzugehen oder ganz banale Hindernisse wie Fahrradständer oder Müllsäcke gefahrlos zu umgehen. Das konnten Sehende gestern beim ersten Tag der Blinden und Sehbehinderten auf dem Rathausplatz ausprobieren.

Eingeladen dazu hatte die Gardeleger Selbsthilfegruppe für Blinde und Sehbehinderte. Unterstützt wurde die Gruppe vom Stendaler Beratungszentrum des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Bezirksgruppe Sachsen-Anhalt Nord. Andreas Krannich vom Beratungszentrum betreute gestern diesen Parcours. " Damit sollen sehende Leute erfahren, wie Blinde und Sehbehinderte im Straßenverkehr und auf Gehwegen mit Hindernissen kämpfen müssen ", sagte Krannich. " Wir wollen der Bevölkerung zeigen, was es bedeutet, blind oder sehbehindert zu sein, wie schwer es für Betroffene ist, am öffentlichen Straßenverkehr beispielsweise als Fußgänger teilzunehmen ", ergänzte der Leiter der Gardeleger

Selbsthilfegruppe, Hans-Dieter Schulz.

" Für uns es schon schwierig, gefahrlos zu gehen, wenn Fahrradständer oder Warenauslagen auf dem Gehweg stehen ", sagte Wilhelm Beckmann. Problematisch sind für den 64-Jährigen aus Gardelegen auch die Tage der Müllabfuhr. Dann stehen plötzlich Mülltonnen oder gelbe Säcke auf den Gehwegen, wo er sonst gefahrlos gehen könnte. " Am schlimmsten sind für mich aber die Radfahrer auf Gehwegen ", sagte Beckmann. " Ich wünsche mir als Betroffener einfach mehr Rücksicht von den sehenden Mitmenschen ", appellierte Beckmann an die sehende Bevölkerung.

Um diese Rücksicht zu wecken, sei dieser Aktionstag ins Leben gerufen worden. Leider, so bedauerte Schulz, sei die Resonanz nicht sehr groß gewesen. Der zweite Aktionstag im nächsten Jahr soll daher etwas anders organisiert werden.

Zur Selbsthilfegruppe gehören derzeit 22 Mitglieder aus Gardelegen und umliegenden Orten sowie drei fördernde Mitglieder. Neben den regelmäßigen Gruppentreffen finden auch andere Veranstaltungen statt. Am 17. Juni ist ein Grillabend geplant. Am 22. Juli steht eine Altmarkrundfahrt auf dem Programm in die Colbitz-Letzlinger Heide, Weißewarthe, Havelberg und Werben. Für den 5. September lädt die Selbsthilfegruppe alle Gardeleger Selbsthilfegruppen zum Otto-Reutter-Tag ins Schützenhaus ein. Diesen Nachmittag wird der Wannefelder Reutter-Darsteller Manfred Brandt gestalten.


Quelle: www.volksstimme.de |

Autor: C. Ahlfeld | Foto: © C. Ahlfeld

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