04.03.2011

Briefe erinnern an den Opa

Reutters Enkel Frank Fandejeff war aus Dresden angereist.

Reutters Enkel Frank Fandejeff war aus Dresden angereist.

Gedenkveranstaltung zum 80. Todestag von Otto Reutter gestern auf dem Friedhof

Anlässlich des 80. Todestages von Otto Reutter haben sich Gardeleger und Reutter-Interpreten aus anderen Städten gestern am Grab des Humoristen versammelt. Mit Versen und kurzen Reden erinnerten sie an Gardelegens berühmtesten Sohn.

Er war die Überraschung des Nachmittages: Frank Fandejeff, 65 Jahre alt, in Dresden wohnend – und ein Enkel von Otto Reutter. Viele der Anwesenden schauten anfangs fragend, als er ihnen von Bürgermeister Konrad Fuchs vorgestellt wurde. Denn dass es noch direkte Nachfahren Reutters gibt, ist vielen nicht bekannt. Von Reutters Sohn, der im Ersten Weltkrieg gefallen war und nicht weit von seinem Vater auf dem Gardeleger Friedhof bestattet liegt, wissen viele. Doch es gab noch eine uneheliche Tochter namens Charlotte Meißner. Sie ist die Mutter von Frank Fandejeff und seiner Schwester Marlies Staub (72), die in Frankfurt/Main lebt, aus gesundheitlichen Gründen gestern aber nicht nach Gardelegen kommen konnte. Im vergangenen Jahr sei sie aber hier gewesen, erzählte Frank Fandejeff. Ihre Großmutter, Lore Meißner, war Solotänzerin in Berlin und hatte dort Otto Reutter kennengelernt. “Er und meine Oma haben sogar in Berlin-Wilmersdorf eine Zeit lang zusammen gelebt, aber den Schritt zur Ehe haben sie nie gemacht”, erzählte der Dresdner. Zu den Erinnerungen an seinen berühmten Großvater gehören einige Originalbriefe Reutters an Frank Fandejeffs Mutter. Darunter ein Brief, den Reutter ihr zu ihrer Konfirmation geschrieben hat. Sie war damals 15 Jahre alt. Zur Konfirmation musste er sich entschuldigen, weil er viele Auftritte hatte, doch er holte den Besuch bald nach – im Jahr 1930, also wenige Monate vor seinem Tod am 3. März 1931. “Er hat seine Briefe immer mit ¿Dein Vater‘ unterschrieben. Er hat zu seiner Tochter gestanden”, sagte der 65-Jährige, der gestern zum dritten Mal in Gardelegen war, “nach langer Zeit mal wieder”. Zum Besuch eingeladen hatte ihn Hans-Jürgen Teske von der Produktionsfirma Studio M in Leipzig, der für die MDR-Reihe “Lebensläufe” einen halbstündigen Beitrag über Otto Reutter produziert (wir berichteten). Gestern wurde mit dem Enkel am Grab die Schlussszene gedreht.

Er selbst habe seinen Opa zwar nicht persönlich gekannt, sagte Frank Fandejeff. Doch viele private Fotos und andere Erinnerungen haben ihn ihm nahe gebracht. Ein wenig habe er vom Talent seines Großvaters geerbt, so der Enkel, “aber meine Mutter konnte ihn so gut interpretieren, sie musste auf jeder Familienfeier etwas vortragen”.

Von der gestrigen Gedenkfeier sei er “überwältigt und ergriffen”, sagte Reutters Enkelsohn. Er bedankte sich bei den Gardelegern dafür, dass sie das Andenken Reutters so in Ehren halten. Zu diesem Andenken gehört seit einigen Jahren das Otto-Reutter-Festival, zu dem der Tourismusverein Gardelegen alle zwei Jahre einlädt. Zwei, die selbst schon als Reutter-Interpreten dort aufgetreten sind, waren gestern ebenfalls nach Gardelegen gekommen: Roswitha Goos aus Schwetzingen bei Heidelberg und Reiner Gutewort aus Sanitz bei Rostock. Roswitha Goos ist übrigens die einzige Frau in Deutschland unter den Reutter-Interpreten. “Vielleicht ist es Seelenverwandtschaft”, antwortete sie auf die Frage, wie sie zu Otto Reutter kam. Und die Familie sei auch nicht ganz unbeteiligt gewesen. “Ich bin damit aufgewachsen. Meine Mutter hat oft Reutter zitiert, mein Großvater hat mir ein Couplet beigebracht”, erzählte Roswitha Goos, die gestern extra angereist war, “um mein Idol zu ehren”.

Gardelegens Reutter-Darsteller Manfred Brandt, der zusammen mit Rupert Kaiser die Gedenkfeier vorbereitet hatte, trug am Grab das Couplet “Wenn du sterbst” vor, Reiner Gutewort spielte auf der Klarinette, Margit und Konrad Hammer trugen die Verse “Einmal im Jahr” zum Programm bei, und Bürgermeister Konrad Fuchs sprach einige erinnernde Worte und die Reuttersche Botschaft, sich das Lachen nicht nehmen zu lassen. Diese Botschaft wollen auch die Reutter-Interpreten in die Welt hinaus tragen. “Bei uns gibt es keine Konkurrenz, nur ein Mitwirken”, sagte Manfred Brandt. Das zeigte sich später im Reutter-Hotel. Bei Kaffee und Kuchen tauschten sich die Reutter-Darsteller aus, zeigten auch ihre Sammelstücke.

Quelle: Volksstimme | Autor: D. Lyko