03.09.2010

“Eine richtige kleine Zeitreise”

“Eine richtige kleine Zeitreise”

“Eine richtige kleine Zeitreise”

Aluchips, Abzeichen und mehr: Grundsteinhülse in der einstigen Dimitroffschule gefunden

Es war wie ein Blick in längst vergangene Zeiten: Gestern Vormittag öffnete Torsten Alexander mit der Säge ein ganz besonderes “Überraschungsei” – nämlich die Grundsteinhülse, die einst im Fundament der Dimitroffschule versenkt worden war.

Schon vor wenigen Tagen war sie aufgetaucht, nicht ganz zufällig allerdings. Baggerführer Torsten Alexander hatte schon ein Weilchen nach ihr gesucht. Am Dienstag fand er die etwa 80 Zentimeter lange Hülse schließlich in einem dicken Betonquader. Und gestern erfuhr er nun endlich auch, was sie enthält. Da nämlich durfte er die Säge ansetzten und den ersten Blick hinein werfen. Seine erste Reaktion – “Sieht gut aus!” – bestätigte sich dann auch bei genauerer Untersuchung. Denn was hier zum Vorschein kam, war sämtlichst gut erhalten.

Den ersten Teil davon, etliche “Aluchips”, kippte Torsten Alexander mit Schwung Bürgermeister Konrad Fuchs in die Hände. Vom Zehnmarkstück bis zum Pfennig war alles dabei. Ein Schmunzeln angesichts der oft verulkten Währung konnten sich weder der Stadtchef, noch Kreisbaudezernent Klaus-Dieter Wolff oder Planer Matthias Lofing verkneifen. Gemeinsam zauberten sie dann schließlich auch noch weitere Überraschungen aus der Hülse. Darunter ein Abzeichen zum 25. Jahrestag der DDR, Fotos eines Schulbaues, identisch jenem, der hier später entstanden war, Reden zur Grundsteinlegung und Ansprachen voller vergnüglicher Formulierungen von ” A rbeitskollektiven” und “allseitig gebildeten sozialistischen Persönlichkeiten” bis hin zum ” Z entralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands”. Genau das nämlich zog Torsten Alexander gestern auch noch aus der Aluminiumröhre. Und das “Neue Deutschland” (ND) offenbarte dann auch am deutlichsten, wie lange die Grundsteinlegung tatsächlich schon her ist: Denn damals wurde just der Genosse Leonid Iljitsch Breschnew in Berlin erwartet. Ein Stück Zeitgeschichte also oder “eine kleine Zeitreise”, wie es Alexander ausdrückte.

All das soll nun natürlich nicht wieder in der Versenkung verschwinden, sondern einen Ehrenplatz im Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasium finden. Das zumindest versprach Schulleiter Dietmar Collatz, der natürlich dabei war, um einen Blick in die Hülse zu werfen.

Die Schüler und Lehrer seiner Schule freuen sich wohl am meisten über den lang geplanten und immer wieder verschobenen Abriss der alten DDR-Schule. Denn hier, wo bis vor kurzem noch der klobige Platten-Schulbau stand, hier, wo Torsten Alexander vor wenigen Tagen die Hülse fand, entsteht in den nächsten Monaten eine Freilichtbühne. Der Stadtrat gab vor wenigen Tagen grünes Licht dafür.

Dort, wo 36 Jahre lang die Erinnerungsstücke an vergangene Zeiten schlummerten, dürften also bald Theaterstücke aus vergangenen Zeiten aufgeführt werden.

Ob unter der Bühne dann eine neue Hülse liegen wird, konnte Amtsleiter Klaus-Dieter Wolff gestern noch nicht sagen. “Möglich aber wäre es”, wenn es “das Gymnasium gern möchte”.

Vielleicht erleben dann, eines hoffentlich weit fernen Tages, andere Menschen eine solche kleine Zeitreise, wie sie gestern in Gardelegen passierte.

Quelle: Altmark Zeitung | Autor & Foto: G. Biermann