30.07.2010
Siedlung aus der Bronzezeit
Archäologische Grabungen im Industriegebiet Ost I (Swedwood) sind nötig / Mehrkosten
Den archäologischen Voruntersuchungen sollen Grabungen folgen. Denn die Archäologen, die auf dem künftigen Industriegebiet Ost I hinter Swedwood den Boden untersucht haben, sind fündig geworden. Für die Stadt bedeutet dies, dass die Erschließung des Gebietes teurer wird als geplant. Bürgermeister Konrad Fuchs kündigte an, dass es deshalb einen neuen Stadtratsbeschluss geben müsse. Auf dem Gelände will sich ein holzverarbeitendes Unternehmen ansiedeln.
Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie haben auf der 16 Hektar großen Fläche südlich der Bahngleise am einstigen Swedwood-Werk Reste einer umfangreichen Besiedlung aus der Spätbronzezeit (1000 bis 800 v. Chr.) gefunden. Das bestätigte gestern die Archäologin Dr. Susanne Friederich. An drei Stellen, im Westen, im Osten und in der Mitte des Geländes, habe es Voruntersuchungen gegeben, zudem weitere Stichproben. Mitte Juli hatten die Bodendenkmalpfleger mit ihrer Arbeit begonnen. Dort soll eine große Industrieansiedlung entstehen. Die Grabungen im Vorfeld waren nötig, weil es begründete Anhaltspunkte für eine frühere Besiedlung gab. Sollte dort gebaut werden, “dann wäre eine flächenhafte Untersuchung notwendig”, sagte Dr. Friederich gestern. Auf dem Gelände sei in der Spätbronzezeit intensiv gesiedelt worden, es habe Häuser gegeben, Abfallgruben, Feuerstellen und Öfen. Falls es zur weitergehenden Untersuchung komme, müsste eine etwa zwei Hektar große Fläche bearbeitet werden. Außerhalb dieser Fläche erwartet Dr. Friederich kaum weitere Funde: “Wir sind systematisch über das ganze Feld gegangen und haben repräsentative Stichproben gemacht.” Gefunden haben die Bodendenkmalpfleger bei ihren ersten Untersuchungen unter anderem viel Keramik – offenbar haben die Menschen damals ihr kaputtes Geschirr in den Abfallgruben entsorgt.
Friederich erwartet, dass die Untersuchung noch in diesem Jahr abgeschlossen sein werden. Sie rechnet mit einer Dauer von etwa drei Monaten. “Falls es hohen Zeitdruck wegen der Erschließung gibt, müssten wir mit mehr Personal rein.”
Wegen der nun notwendigen weiteren Grabungen steigen die Kosten für die Erschließung – vermutlich um einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich. Stadtvertreter sowie Planer Matthias Lofing brachten das Thema am Mittwoch im Wirtschaftsministerium zur Sprache. Es war bereits das achte Gespräch im Ministerium bezüglich der geplanten Großinvestitionen. Bürgermeister Konrad Fuchs möchte, dass sich das Land an den zusätzlichen Kosten beteiligt – die bisher mit einer Million Euro veranschlagte Erschließung soll ohnehin zu 90 Prozent gefördert werden. Das Thema soll demnächst in die Ratsgremien kommen. Ob das bereits im August passieren wird, ist fraglich, weil noch nicht alle Fragen – etwa die der Förderung – geklärt seien. Fuchs betonte aber, er sei im Sinne der Neuansiedlung dafür, dass die Mehrkosten von der Stadt getragen würden: “Für mich kann die Entscheidung nur Ja heißen.”
Der Beginn der Investitionen auf dem Swedwood-Grundstück und dem Nachbargelände würde sich verzögern, sagte Fuchs. Gründe dafür nannte er nicht. Er erwartet dennoch, dass der Investor Ende August/Anfang September sein Projekt in Gardelegen vorstellen wird. Der zeitliche Druck sei aber “erstmal raus”.
Nach Volksstimme-Information soll es sich bei der Neuansiedlung um ein Investitionsvolumen um die 50 Millionen Euro handeln. Die Swedwood-Hallen sollen dabei genutzt, weitere Hallen auf der Fläche südlich der Bahngleise errichtet werden.
Der Großteil des Geländes südlich der Bahnschienen gehöre dem Bund, sagte Fuchs. Zudem gebe es einige Privatflächen. Die Stadt selbst hat dort kein Eigentum. Offenbar hat inzwischen ein Pokern um den Preis der Flächen begonnen. Die Stadt selbst möchte das Gelände nicht aufkaufen – das soll der Investor selbst tun. Fuchs warnte vor überzogenen Forderungen: “Es besteht berechtigtes öffentliches Interesse. Es gibt einen einvernehmlichen Weg, eine wichtige und notwendige Geschichte zu realisieren – oder man kann sich bekämpfen.” Fuchs verwies aber auch darauf, dass bei einer Erschließung des Geländes auch die Eigentümer der Flächen, die nicht verkaufen wollen, an den Erschließungskosten beteiligt werden würden.
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