03.03.2010

Engpass bei den Gelben Säcken

Gelbe Säcke sind in Gardelegen derzeit Glückssache. Ende dieser Woche soll der Engpass aber behoben sein, verspricht die beauftragte Firma Alba aus Salzwedel.Foto: Schmidt

Gelbe Säcke sind in Gardelegen derzeit Glückssache. Ende dieser Woche soll der Engpass aber behoben sein, verspricht die beauftragte Firma Alba aus Salzwedel.Foto: Schmidt

Offenbar Durcheinander bei der Verteilung / Mehrere Gardelegener Geschäfte werden nicht beliefert

Deutschland ist Weltmeister. In der Mülltrennung. Doch dies ist in Gardelegen derzeit offenbar ein Problem. Denn Gelbe Säcke sind rar. Mehrere Geschäfte würden gerne Gelbe Säcke verteilen, kriegen aber keine Lieferungen – und überlegen nun ernsthaft, ganz aus dem Verteiler auszusteigen.

Der Wechsel fand zu Jahresbeginn statt. Bis Silvester war noch die Mildena in Kalbe für die Verteilung der Gelben Säcke im Raum Gardelegen zuständig. Seit Neujahr ist dies Alba in Salzwedel. Doch dieser Wechsel führt momentan offenbar zu einem Engpass, was die Gelben Säcke angeht. Denn aktuell gibt es nur ein Geschäft im gesamten Gardelegener Stadtgebiet, das noch Gelbe Säcke vorrätig hat. Andere Standorte machen entweder nicht mehr mit oder bekommen trotz mehrfacher Anrufe seit geraumer Zeit keine Lieferungen mehr.

Anruf bei Alba in Gardelegen. Eine Einwohnerin will wissen, wo es Gelbe Säcke gibt. Denn dort, wo sie bisher die Mülltrennungstüten geholt hat, gibt es nichts mehr. Antwort einer Mitarbeiterin: Gelbe Säcke gibt es aktuell in einem Blumengeschäft, in einem Lotto-Laden und in einem – ihr namentlich allerdings nicht bekannten – Reisebüro in der Stadt. Und in der Gardelegener Tourist-Information im Rathaus.

Vier Standort-Angaben also. Aber nur eine stimmt. Nämlich das Blumengeschäft Grau unweit des Salzwedeler Tores. Keines der Gardelegener Reisebüros hat hingegen Gelbe Säcke. Und die Tourist-Information seit einigen Tagen auch nicht mehr.

“Wir machen erstmal nicht mehr mit”, sagt Ulrike Wolterstorff von der Tourist-Information. “Wir sind doch kein Umschlagplatz.” Hintergrund: Nicht nur Privatleute hätten sich Gelbe Säcke aus den Kartons genommen, sondern zunehmend auch Betriebe und Umland-Bürgermeister. Und das teilweise palettenweise. “Das ist nicht unsere Aufgabe”, so Ulrike Wolterstorff. Konsequenz: Bevor die Verteilung nicht besser geregelt werde, mache die Tourist-Information – sie ist nicht mehr städtisch, sondern wurde vor mehreren Jahren privatisiert und befindet sich seitdem in Trägerschaft des VHS-Bildungswerkes – nicht mehr mit.

Verärgert sind auch andere Geschäftsleute. “Mehrfach” habe sie schon angerufen und um neue Gelbe Säcke gebeten, so Simone Lilge, Inhaberin des Blumengeschäfts “Maiglöckchen” auf dem Gardelegener Friedhof. Sie müsse nun immer wieder Kunden vertrösten.

Ähnlich argumentiert Annett Thunecke vom Lottoladen neben Kaufland. “20 bis 30 Kunden” würden täglich zu ihr kommen und um Gelbe Säcke bitten. Das Problem: Sie hat keine mehr. Und das auch schon seit geraumer Zeit. ”-zig Mal” habe sie bei der vom Kreis beauftragten Firma in Salzwedel angerufen. Ergebnis: “Niemand bringt mir etwas vorbei.” Einmal, erinnert sie sich, habe man ihr fünf Kartons hingestellt. “Die haben gerade mal drei Tage gereicht”, dann habe sie wieder anrufen müssen. Bis heute ohne Erfolg. Während man bei Alba am Telefon erklärt, dass es im Lottogeschäft bei Kaufland Gelbe Säcke gibt, wartet Annett Thunecke derweil auf Lieferung. “Und ich bekomme dann den Ärger der Kunden ab”, beschwert sie sich. Zumal weder sie noch andere Geschäftsleute Geld für ihr Zusatzangebot erhalten. “Ich mache das ja, weil es Service am Kunden ist”, so Annett Thunecke.

Sie und auch andere Geschäftsleute haben mittlerweile Zettel drucken lassen, auf denen die Telefonnummer des Gelbe-Sack-Anbieters draufsteht. “Damit sich die Leute direkt an der Quelle beschweren können”, so Annett Thunecke.

“Wir ziehen uns diesen Schuh nicht an,” sagte hingegen Nicole Wagner, Leiterin der Alba-Niederlassung Salzwedel, gestern gegenüber der Altmark-Zeitung. Grund für die Engpässe sei die Übernahme der Leistung seit Januar. “Wir haben keine Verteilerliste erhalten”, so die Alba-Niederlassungsleiterin. Folglich könne man auch nicht wissen, wo überall Gelbe Säcke benötigt werden. Ende dieser Woche, so Nicole Wagner, werde eine Tour nach Gardelegen starten, um die Geschäfte anzufahren. Dann werde der Engpass behoben. Generell gelte: Wer künftig als Verteiler Gelbe Säcke benötigt, der solle sich melden, so Nicole Wagner. “Sobald ein Anruf bei uns ankommt, liefern wir”, versichert sie.

Quelle: Altmark Zeitung | Autor & Foto: S. Schmidt