25.02.2010
AKT will “am Ende Geld verdienen”

AKT will "am Ende Geld verdienen"
Geschäftsführung: Umsatzrückgang ist Ursache für geplanten Personalabbau / Zwei Beraterfirmen
Sie saßen den Pressevertretern offenen Auges gegenüber. Konkrete Neuigkeiten indes gab es nicht. Axel Matthei und Rolf Kalvelage, Geschäftsführer der AKT Altmärker Kunststofftechnik GmbH, ließen sich gestern Fragen stellen, einige davon blieben aber unbeantwortet.Hauptthema war der bevorstehende Arbeitsplatzabbau.
Diesen hatte AKT in der vergangenen Woche bereits angekündigt. “Wir sind derzeit mit der Belegschaft und dem Betriebsrat im Gespräch darüber, was in den nächsten Monaten zu tun ist, ...um wieder wettbewerbsfähig zu sein.” Personalabbau stehe dabei nach wie vor im Raum. Das Ziel sei “ein annähernd ausgeglichenes Ergebnis 2010.”
In welcher Größenordnung allerdings Personal entlassen wird, ist immer “noch nicht klar”. So Matthei. Das sei davon abhängig, was restrukturierungsseitig noch getan werden müsse. Um dies zu eruieren, ist seit Oktober 2009 eine Beratungsfirma mit im Boot. Die Firma sy.con, “ingesamt drei Leute.” Geschäftsführer ist Axel Mattheis Bruder Olaf Matthei. Gemeinsam mit sy.con soll bis Ende März ein Fahrplan erarbeitet werden. Eine Prognose über Kündigungen gibt es nicht.
“Uns ist daran gelegen, so viele Leute wie möglich in Lohn und Brot zu halten”, versichert der Firmenchef, macht aber auch unmissverständlich klar: “Am Ende des Tages muss das Unternehmen Geld verdienen.”
Genau das tue es jetzt nicht. Nach einem schlechten vierten Quartal 2008 hatte die internationale Automobilkrise 2009 “extrem” zugeschlagen. Die größten Umsatzeinbußen verzeichnet das Gardelegener Stammwerk. Der Betrieb in Spanien sei “deutlich höher ausgelastet”, so Matthei, der tschechische Betriebsteil in Jablonec profitiere “natürlich von Lohnvorteilen” und der Betriebsteil WEDO im sächsischen Doberschau sei “ohnehin immer gesund gewesen”. Dagegen musste allein Gardelegen 2009 im Vergleich zum Vorjahr Umsatzverluste in zweistelliger Millionenhöhe verkraften. “Extrem bei Opel.”
Ganz genaue Zahlen hat Geschäftsführer Rolf Kalvelage zwar nicht im Kopf. Doch annähernd waren es 2008 noch “mehr als 100 Millionen” Umsatz jährlich. 2009 nur noch 84 Millionen. Mehr als 16 Prozent Rückgang also.
Fast so hoch ist derzeit auch der Anteil der Mitarbeiter in Kurzarbeit. “Etwa 120 von 1055”, sagt Axel Matthei. Um ihre Zukunft drehen sich heute Gespräche in der Gardelegener Agentur für Arbeit. Hier haben Matthei und Kalvelage einen Termin vereinbart.
Fakt ist: Eine Verlängerung der Kurzarbeit bis längstens September 2010 wäre möglich. Allerdings nur, wenn es nicht gleichzeitig Kündigungen im Unternehmen gibt. Und so ist das Thema Kurzarbeit eigentlich auch schon wieder vom Tisch. Matthei bestätigt es indirekt: Die Geschäftsführung würde die Kurzarbeit “gern” noch verlängern, “wenn die Hoffnung bestünde, dass wir Umsatzzuwächse realisieren könnten.” Das allerdings sei “kurzfristig unwahrscheinlich”, gibt Matthei zu. “Wir sind sehr optimistisch”, dass der Standort erhalten werden kann, “aber eben nicht in voller Mannschaftsstärke.”
Zwei “Mann” übrigens fehlen zurzeit schon. Der “Werksleiter” des Unternehmens und der “Leiter Logistik” wurden kürzlich “beurlaubt”. Die Gründe dafür? “Hausintern”, wehrt Rolf Kalvelage ab. Die “Freistellungen” wie Axel Matthei sie bezeichnet, hätten auch nur “wenig mit der Arbeit der Beraterfirma sy.con zu tun.”
Zudem wehrt Matthei “Gerüchte ab, es hätte in der letzten Zeit vermehrt “Qualitätseinbußen” gegeben. Die Zahlen seien konstant geblieben, schätzt er ein. Das gleiche gelte für den Krankenstand.
Und auch die oft bemängelte defensive Informationspolitik gegenüber der Belegschaft wollen Matthei und Kalvelage so nicht bestätigen. Unmittelbar während des gestrigen Pressegespräches halte der Betriebsrat “in einer unserer Hallen die letzte Besprechung” ab. Damit seien “alle Mitarbeiter über bevorstehende Änderungen” informiert. Die Geschäftsführung selbst sehe darum auch keine Veranlassung, sich persönlich oder mit einem Anschreiben an die Belegschaft zu wenden.
Gewendet haben sich Kalvelage und Matthei allerdings an jemanden, der sich mit einer Firmensituation wie dieser auskennt. Und zwar neben der sy.con noch eine weitere Beratungsfirma: “Wir haben die PWC (PricewaterhouseCoopers; Werbespruch: “Wir sorgen in Ihrem Unternehmen für Transparenz”) beauftragt, ein Restrukturierungsgutachten zu erstellen, informiert Matthei über die Zusammenarbeit mit einer der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland. “Und dieses Gutachten wird” – kurzer Blick zum Kollegen – aus unserer Sicht” positiv ausfallen. “Es gibt also nicht nur Hoffnungslosigkeit sondern eine konkrete Zukunftsplanung.”
Ohnehin bemühen sich die beiden Männer aus der Führungsetage gestern darum, unschönen Gerüchten und Fragen mit Optimismus zu begegnen. Auch – manchmal vielleicht sogar trotz der Krise. So habe AKT im vergangenen Jahr den Auftrag eines “insolventen Mitbewerbers” übernommen. Weitere “kleinere Aufträge” hätten sich umsatztechnisch positiv ausgewirkt und “auch Neuaufträge gibt es einige”, so Matthei. So zum Beispiel ein “größerer von Saab.” Alles Dinge, die helfen, “dass wir nicht so tief schneiden müssen.”
Vor allem aber habe man im vergangenen Jahr “sehr intensive Unterstützung” vom Hauptauftraggeber VW erhalten, versichert Matthei. 70 Prozent aller Aufträge kommen derzeit aus Wolfsburg. Verbale oder schriftliche Zusicherungen habe es zwar nicht gegeben, “aber wir spüren, dass wir dort schon sehr gelitten sind”.
Vorsichtig bestätigt dies gestern auch Christoph Adomat, Sprecher im Bereich Produktion und Werke der Volkswagen AG: “Die Firma AKT gehört zu unseren etablierten Partnern und wurde als Volkswagen-Lieferant für diverse Komponenten nominiert”, so Adomat. Und: “Bei der Auswahl” dieser Partner seien natürlich “Einflussfaktoren wie Wettbewerbsfähigkeit, Qualität und Liefertreue ausschlaggebend”.
Schließlich müsse “VW auch Lieferanten haben, die nicht am Tropf hängen”, drückt es Axel Matthei aus.
AKT hängt also nicht am Tropf, sondern muss “nur” abspecken. In welcher Größenordnung, soll “mit der nötigen Ruhe, mit dem Betriebsrat und der Belegschaft” besprochen werden.
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