01.02.2010
“Klub wird nicht ,Elfte′ heißen”

Präsentieren ihr Können zur Kluberöffnung: Die Kickboxer der Kunstplatte, Hassan Aftoukhanov (r.) und Khaled Hamidi.
Großer Bahnhof zur Eröffnung des neuen JFZ-Jugenddomizils: “Quantensprung in der Qualität”
Als einen “Quantensprung in der Qualität der Arbeit mit Jugendlichen” hat Bürgermeister Konrad Fuchs das bezeichnet, was der Verein des Jugendförderungszentrums (JFZ) Gardelegen da in den vergangenen Wochen aus dem Boden gestampft hat. Denn erst im November hatte er den Zuschlag für die Schaffung eines neuen Klubs erhalten. Weit mehr als 30000 Euro hat er seither in den so genannten Fundus investiert. Denn dort am LIW-Saal, wo sich einst nur eine Art Lagerstätte befand, glänzt jetzt ein Jugendtreffpunkt, der weit und breit seinesgleichen sucht.
“Der neue Klub wird nicht ,Zehnte ’ und auch nicht ,Elfte ’ heißen. Noch im Februar wird der Name gewählt.” Es seien bereits etliche Vorschläge eingegangen, wie Ralf Böse, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des JFZ-Vereins, sagt.
Er schaut am Freitagabend in viele begeisterte Gesichter. Nicht nur etliche Kinder und Jugendliche sind zur Eröffnung ihres neuen Domizils gekommen, um unter anderem die Vorführungen der Kunstplatte Stendal, der im JFZ probenden Jumpfighters und der Band False Aims zu verfolgen, sondern auch zahlreiche Stadtratsmitglieder. Und natürlich Bürgermeister Konrad Fuchs. Der spricht von einem “denkwürdigen Abend” und überreicht dem Klubteam eine Uhr mit Gardelegener Wappen. “Damit Ihr immer wisst, was die Stunde geschlagen hat.”
Die Stunde geschlagen hatte vor einiger Zeit für den bisherigen Jugendklub “Zehnte”. Mit der dortigen Arbeit zeigte sich der Stadtrat, allen voran der Sozialausschuss unter Leitung von Walter Thürer, nicht zufrieden. Es wurde entschieden, den Vertrag mit dem Träger nicht zu verlängern, sondern die Sache komplett neu zu vergeben. “Schreiben Sie mal einen Jugendklub aus!”, so der Bürgermeister, der damit deutlich macht, was für ein immenser Verwaltungsakt sich dahinter verbirgt. Deshalb kann er es sich am Freitagabend auch nicht verkneifen, Hauptamtsleiter Klaus Richter lobend hervorzuheben. Dem ist das sichtlich unangenehm. Andere haben da weniger Probleme mit der Öffentlichkeit. Zum Beispiel Klaus Truthe von der Stadtratsfraktion der Linken. Er nutzt die Bühne, um zu erzählen, wie er einst mit dazu beigetragen habe, den Jugendklub ,Zehnte ’ zu begründen, dass aber das, was jetzt entstanden sei, deutlich besser sei. Spricht ’s, steigt von der Bühne, um gleich wieder zurückzukehren. Mit einem Geschenk seiner Fraktion.
Ralf Böse nimmt es dankend entgegen. Er erinnert aber bei der Gelegenheit in der ihm eigenen, bescheidenen Art noch einmal kurz an die Entstehungsgeschichte des neuen Klubs, der von der Stadt jährlich mit 56000 Euro bezuschusst wird und in dem drei Mitarbeiterinnen sowie eine FSJ-lerin täglich für die Kinder und Jugendlichen da sind. Diese “können hier zwar nicht einfach abgegeben werden und wir machen sie dann neu”, aber es würden ihnen “Toleranz, Respekt und demokratische Grundregeln vermittelt” und eben diverse Angebote unterbreitet, die sie dann nutzen könnten. Zum Beispiel Tanz- und Kochkurse, Gitarrenworkshops oder die Bandarbeit. Und für überschüssige Energie gibt ’s den Kraftraum.
Den nimmt am Freitag auch Sozialausschuss-Chef Thürer in Augenschein. Und er lässt die Jugendlichen, die sich dort gerade aufhalten, mächtig staunen. Ihnen macht der 70-jährige nämlich Liegestütze vor – bei denen er zwischendurch in die Hände klatscht.
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