02.11.2010
Dreimal ein klares “Ja”
Werdende Mütter, Frauen und Eltern können auch künftig auf stationäre Behandlung vertrauen
Auch in den kommenden Jahren werden am Gardelegener Standort des Altmark-Klinikums Babys zur Welt kommen, werden kranke Kinder von Fachärzten behandelt. Verwaltungschef Matthias Hahn, der Ärztliche Direktor Dr. Michael Schoof und Aufsichtsratschef Michael Ziche räumten gestern mit Gerüchten um eine Schließung von Stationen auf.
So viel machte Aufsichtsratschef und Landrat Michael Ziche gestern schon zu Beginn der Pressekonferenz klar: Der Altmarkkreis wird auch weiterhin an zwei Standorten die stationäre medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Denn keines der beiden Krankenhäuser des Altmark-Klinikums sei zentral gelegen. Definitiv werde es also keine “scheibchenweise Schließung” des Gardelegener Hauses und auch keine Auslagerung einzelner Stationen geben. “Uns ist klar, eine werdende Mutter aus Gardelegen fährt zur Entbindung nicht nach Salzwedel, wenn es nach Stendal oder Haldensleben viel näher ist”, so Ziche. Und damit nahm er Gerüchten den Wind aus den Segeln, die in jüngster Zeit Patienten in der Region Gardelegen verunsichert hatten.
Denn gerade über die Zukunft der Gardelegener Entbindungsstation, aber auch über die der Kinderklinik und der Frauenheilkunde wird derzeit wild spekuliert. Noch mehr, seit im Kreisausschuss am vergangenen Montag die Pläne des Landeskrankenhaus-Ausschusses bekannt wurden, die empfehlen, die genannten Stationen mittelfristig nur noch an einem Standort, nämlich in Salzwedel, zu betreiben.
Und diese Empfehlungen kommen natürlich nicht von ungefähr. Denn die Planungszahlen des Landes, die im August veröffentlicht wurden, prophezeihen drastische Rückgänge der Patientenzahlen. Wie dramatisch sich die demografische Entwicklung des Landes insbesondere auf die Belegungzahlen im Altmark-Klinikum auswirken wird, erklärte gestern Verwaltungschef Matthias Hahn: Laut Statistik werde die Geburtenzahl in den nächsten acht Jahren nämlich “um 41 Prozent zrückgehen”, die Fallzahl in der Frauenheilkunde sinke “um 17 Prozent und die der stationär zu behandelnden Kinder um 20 Prozent”. Und vor dieser Entwicklung könne auch ein “betriebswirtschaftlich kerngesundes Unternehmen” wie das Altmark-Klinikum nicht die Augen verschließen. “Wir müssen agieren”, so Hahn. Sonst bleibe später nur das “Reagieren”. Möglicherweise mit drastischen Maßnahmen.
Wie genau die “Aktion” des Altmark-Klinikums auf die prognostizierten schwindenden Patientenzahlen in den genannten Bereichen nun aber aussehen wird, dazu wollten sich die Entscheidungsträger gestern noch nicht äußern.
Lediglich von zu “verändernden Organisationsstrukturen” ist die Rede, von “gleichen Kapazitäten beider Standorte”, zwischen denen selbstverständlich ein “Geben und Nehmen” herrschen müsse, aber auch von einem “Abbau, nicht nur in Gardelegen”. Ziche spricht sogar von “Fahrlässigkeit, wenn wir sagen, wir wollen Gleichbehandlung aller Häuser, koste es was wolle…”
Doch angesichts aller ausweichender und kaum gehaltvoller Aussagen: die Gardelegener müssen sich in Zukunft wohl dennoch keine elementaren Sorgen um die medizinische Betreuung ihrer Frauen und Kinder machen: Denn, und das bestätigen gestern Hahn, Ziche und Schoof unisono und überzeugend: Auch in Zukunft werden im Gardelegenener Altmark-Klinikum Kinder das Licht der Welt erblicken, werden Frauen- und Kinderkrankheiten behandelt werden können.
Und demnächst soll die Öffentlichkeit auch über die genauen Rahmenbedingungen informiert werden. Denn spätestens Anfang Dezember, so versprach Michael Ziche gestern, wird die Strategie-Planung des Aufsichtsrates bis 2015 stehen. “Dann werden wir damit auch an die Öffentlichkeit gehen können.”
Dass das Thema Öffentlichkeitsarbeit in der Vergangenheit möglicherweise tatsächlich etwas zu kurz kam, räumte schließlich der Ärztliche Direktor des Gardelegener Hauses, Dr. Michael Schoof, ein: “Wir haben in den letzten Jahren zuweilen nicht verstanden, uns als ein Haus darzustellen”, so Schoof. Deshalb listete der Mediziner auch noch einmal die Erfolge auf, die es am Altmark-Klinikum gibt. Denn in der Summe seien die Zahlen stabil. Unter anderem die Chirurgische, die Innere, und hier besonders die Geriatrische Abteilung, könnten steigende Behandlungszahlen vorweisen, versicherte der Chefarzt.
“Sie können hier in Gardelegen also auch alt werden”, ergänzte Ziche aufmunternd. “Ein Altersheim”, wie er “gerüchteweise gehört habe”, werde das Krankenhaus aber dennoch nicht, zwinkerte der Aufsichtsratschef.

Geschäftsführer Mattias Hahn.