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28.10.2009

Einer, der nicht cool ist

Wie man aus einem Bleistift zwei macht? Alex (Mehmet Kucak) hat schon oft gesehen, wie seine eigenen Stiften dieses Schicksal ereilte. Mobbing hat viele Gesuichter.Foto: Biermann

Wie man aus einem Bleistift zwei macht? Alex (Mehmet Kucak) hat schon oft gesehen, wie seine eigenen Stiften dieses Schicksal ereilte. Mobbing hat viele Gesuichter.Foto: Biermann

Radiks spielt für Gymnasiasten und gegen Gewalt, Mobbing und Ignoranz

Mama geht fremd und Papa auf Montage. Die aus seiner Klasse nehmen ihn nicht ernst. Jeanette schon gar nicht – höchstens wenn Alex ihr Mathe-Nachhilfe gibt. Und deshalb will der beweisen, dass auch er cool ist. Aber dann hat er plötzlich eine Waffe in der Hand…

Sie sind (nur) zu zweit da oben auf der Bühne in der Aula im Gardelegener Gymnasium. Aber die beiden jungen Leute spielen gestern Vormittag locker wie ein ganzes Ensemble. Und eigentlich sind sie das ja auch:

Das Tourneetheater Radiks aus Berlin haben den Schülern der achten und neunten Klassen “Alex” mitgebracht: Der ist siebzehn und hat in der Schule mit Deutsch ein Problem, aber dafür Talent für Zahlen. Ganz normal eben. Einer wie viele.

Allerdings ist Alex auch einer, der nicht unbedingt zu den coolen Typen in der Klasse gehört. Er findet nie die richtigen Antworten, dafür aber schon mal den Inhalt seiner Tasche auf dem Fußboden wieder. Er wird nie laut, dafür aber öfter mal geschubst. Dabei wäre er so gern wie die anderen, würde gern dazugehören. Und so lässt sich Alex auf eine zweifelhafte Mutprobe ein und verprügelt einen betrunkenen alten Mann. Dass ihm das schon kurz darauf wieder leid tut, ändert gar nichts mehr. Denn da ist Alex schon viel zu weit gegangen…

Die Schauspieler Viktoria Bisco und Mehmet Kucak erzählen in ihrem Theaterstück “Und dann kam Alex” die Geschichte eines Teenagers, der von Mitschülern gemobbt wird, aber auch zu Hause keinen Halt findet.

Eine authentische Sprache, aber vor allem, dass die Spielsituationen kein bisschen überspitzt dargestellt werden, macht das Stück so glaubwürdig. So finden sich die Gardelegener Gymnasiasten in den Beschreibungen von Alex, der seine Story rückblickend selbst erzählt, gestern vielleicht auch selbst wieder. Und auch wenn hin und wieder an der falschen Stelle gelacht wird, die Mienen der meisten Teenies – und sogar die der Lehrer – werden im Verlauf des Stückes sehr nachdenklich. Denn das zeigt neben Skrupellosigkeit und Gleichgültigkeit in Schülerkreisen – ”...dann hab ich dem Alten ein paar reingehauen.” – auch die Ignoranz der Erwachsenenwelt rund um Alex – “Wir haben gewusst, dass er Probleme mit seinen Mitschülern hat, aber er hat ja nie was gesagt…!”

Am Anfang und am Ende hält sich Alex eine Waffe an die Schläfe. Ob er abdrückt, bleibt offen.

Offen bleiben allerdings keine Frage der Jugendlichen. Denn Viktoria Bisco und Mehmet Kucak bleiben nach dem Schlussapplaus da, um sie zu beantworten. Ohne Schuldzuweisungen und Patentlösungen. Doch die beiden sympathischen Berliner haben wachgerüttelt, zum Hinhören und Hinsehen gezwungen und an Zivilcourage appelliert.

Und das kann auch den Schülern einer “Schule mit Courage” gar nicht oft genug passieren.

Quelle: Altmark Zeitung | Autor & Foto: G. Biermann