12.07.2012

Städtepartnerschaft soll aktiviert werden

Schulterschluss vor dem Roland: Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs und sein Gifhorner Amtskollege Matthias Nerlich. | Foto: Cornelia Ahlfeld

Gifhorns Bürgermeister auf Antrittsbesuch bei seinem Amtskollegen in Gardelegen

Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich war am Dienstag zu Gast in Gardelegen. Es war sein offizieller Antrittsbesuch in der Gifhorner Partnerstadt nach seiner Wahl im November 2011. Der CDU-Politiker zeigte sich begeistert vom historischen Stadtkern.

Einmal war er schon in der westlichen Altmark, und zwar zum Neujahrsempfang der Stadt auf Gut Zichtau. “Da war es aber dunkel. Man konnte nicht viel sehen. Und der Bürgermeister hatte beim Neujahrsempfang auch nicht viel Zeit, um mit mir zu reden”, sagte Matthias Nerlich, seit dem 1. November 2011 Bürgermeister (CDU) in Gardelegens Partnerstadt Gifhorn. Sein Vorgänger und Parteikollege, Manfred Birth, hatte nicht mehr kandidiert.

Am Dienstag absolvierte der neue Bürgermeister bei seinem Gardeleger Amtskollegen Konrad Fuchs nun offiziell seinen Antrittsbesuch in Gardelegen. Begleitet wurde Nerlich von Dr. Klaus Meister, Leiter des Fachbereiches Kultur und zuständig für die Städtepartnerschaften.

Zum Programm des Besuches am Dienstag gehörte eine Gesprächsrunde mit den Amtsleitern der Gardeleger Stadtverwaltung, ein Mittagessen in einem Gardeleger Restaurant, eine kleine Stadtrundfahrt mit Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe und zum Abschluss ein Kaffeetreff im Rathaus.

“Ich war sehr überrascht und beeindruckt vom historischen Stadtbild”, sagte Nerlich. Beeindruckt sei er auch vom Gewerbegebiet gewesen, insbesondere auch vom Fliegerhorstgelände. “Wir haben in Gifhorn auch ein großes Gelände der Bundespolizei, das im vorigen Jahr aufgegeben wurde”, erzählte Nerlich. Es sei erstaunlich, wie es in Gardelegen gelungen sei, solche Militärbrachen zu revitalisieren. “Ich wäre froh, wenn wir in Gifhorn schon so weit wären”, sagte Nerlich. In der Amtsleiterrunde habe er weitere Gemeinsamkeiten feststellen können: die Gebietsreform. In Sachsen-Anhalt sei die abgeschlossen. In Niedersachsen steht eine solche Gebietsreform bevor. Im nächsten Jahr seien Landtagswahlen in Niedersachsen. Gleich, wie die ausgehen wird, “die Signale stehen so, dass die Reform kommen wird”, meinte Nerlich. Laut einem Gutachten sollen Helmstedt, Wolfsburg und Gifhorn künftig zusammengehen. Zwischen Wolfsburg und Helmstedt gebe es schon intensive Gespräche. Ein weiteres Thema der Amtsleiterrunde seien mögliche Schließungen von Grundschulen und Kindertagesstätten. “Das ist bei uns überhaupt nicht das Problem. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir neue Plätze schaffen”, betonte Nerlich. Diese Entwicklung sei bedingt durch die Nähe zu VW Wolfsburg. Damit verbunden sei allerdings ein weiteres Problem: die Ausweisung von Bauplätzen. “Braunschweig und Wolfsburg haben das gleiche Problem. Es gibt dort kein Bauland mehr”, schilderte Nerlich die Situation. Gifhorn sei als Wohnort für VW-Mitarbeiter sehr beliebt. Die Stadt liege nahe Wolfsburg, sei in ihrer Größe überschaubar mit ganz viel Grün im Innenstadtbereich. “Ihr habt das Land und wir die Leute”, scherzte Nerlich. Da müsse es doch einen Weg geben, wie man da zusammenkommt”, meinte Konrad Fuchs. Denn schließlich sei die Anbindung an Wolfsburg sehr gut.

Für beide Bürgermeister sei der Ausbau der Städtepartnerschaft sehr wichtig. In den Jahren habe es immer wieder gemeinsame Aktionen gegeben, wie etwa das jährliche Schachturnier zum Tag der Deutschen Einheit.

Gifhorn hat in Sachen Städtepartnerschaft viel Erfahrung, denn neben Gardelegen hat die Allerstadt noch Partnerschaften mit Städten in Schottland, Schweden und Griechenland. Erstmals wird es gemeinsam mit Gardeleger und Gifhorner Jugendlichen ein Jugendcamp im schottischen Dumfrise geben. Ebenfalls erstmals haben sich Gardeleger Jugendliche an einem Projekt des Kinderschutzbundes beteiligt, der in Gifhorn ein altes Fachwerkhaus zum Jugendhaus umbaut. Junge Leute aus Gifhorn, Gardelegen und Polen haben dort im Juni an einem Jugendcamp mit Arbeiten und Freizeit teilgenommen.

Nerlich könnte sich auch einen Austausch von Verwaltungen vorstellen, wie es ihn in den Anfangsjahren der Partnerschaft Gardelegen-Gifhorn gegeben hatte. “Das wäre für mich ein spannendes Projekt”, sagte Nerlich. Dem stand auch Fuchs positiv gegenüber.

Das nächste Treffen wird am 5. Oktober in Gifhorn sein. Dann sind Gardeleger zur Festveranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit mit Stadtrundfahrt, Essen und dem Besuch eines Konzertes mit dem Louis-Spohr-Orchester Braunschweig eingeladen. Die Stadt Gardelegen wird einen Bus ordern. Wer mitfahren möchte, kann sich ab sofort in der Stadtverwaltung anmelden.

Nerlich war bis zur Bürgermeisterwahl acht Jahre Mitglied des niedersächsischen Landtages. Der CDU-Politiker und Jurist ist gebürtiger Gifhorner, 39 Jahre alt, ledig, kinderlos, “lebt aber in einer festen Beziehung”.

Quelle: Volksstimme | Autor: Cornelia Ahlfeld